Unsere Region
Der anderthalb Kilometer breite Streifen des Soproner/Ödenburger Beckens war dank seiner günstigen Lage schon in dem 6-5. Jahrtausend v. Chr. bewohnt. Die erste ständig bewohnte Siedlung auf dem heutigen Gebiet der Stadt wird in den 13-11. Jahrhunderten v. Chr. gewesen sein. Die Erdwälle, Friedhöfe der Keltenzeit sind überall auf den Hügeln, in den umliegenden Wäldern vom heutigen Sopron zu finden. Den Kelten folgten germanische Stämme,
der Kern der heutigen Stadt entsteht zur Zeit der Römer unter dem Namen Scarbantia, in der alle öffentlichen Institutionen einer auf ihre Kultur stolzen Stadt zu finden waren: das Forum, ein Amphitheater (2. Jahrhundert), ein Friedhof und ein öffentliches Bad, sowie Werkstätte der Handwerker. Das Aufschütten der sumpfigen Gebiete, die Pfahlgründung hat schon zu dieser Zeit zwischen den zwei Bächen (Ikva/Spittalbach und Rákpatak/Krebsbach)
begonnen. Die auch ihre Kultur mit sich bringenden Römer errichten eine Bürgerstadt, in der sich größtenteils Handwerker und ausgediente Soldaten (Veteranen) niederließen. Zur Zeit des Kaisers Vespasianus (69-79 n. Chr.) wird aus der Stadt ein Munizipium, eine Stadt mit eigener Verwaltung, deren Einwohner den römischen Bürgern gleichgestellt waren. In der Umgebung wurden Resten von Villenwirtschaften, auf denen Weinbau, Handwerk und Handel
betrieben wurden, freigelegt. Vertreter der romanisierten Bevölkerung waren bis 568 in der Region nachzuweisen.
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In den folgenden Jahren verliert Scarbantia an Bedeutung, denn zur Zeit der Völkerwanderung verlaufen die Grenzen nicht mehr hier. Nach dem Hunnenreich kommen Awaren in die Gegend, das Volk Árpáds lässt sich um 900 hier nieder. Der Grenzschutzstreifen wird breiter, die Landesgrenze erstreckt sich am westlichen Rand des Wiener Beckens. Das Komitat Sopron gehört dem Fürsten Súr. Zu dieser Zeit bestehen noch die römischen Stadtmauern. Die
Feldzüge nach Westeuropa werden aus dem Komitat Sopron gestartet, Beweise dafür sind die hier gefundenen als Steuer eingehobenen Silbermünzen aus Italien und Westeuropa. Die Grenze der Leitha entlang wird vom König Stephan dem Heiligen gezogen, er ließ im ehemaligen Scarbantia, nachdem er die römische Burg durch Erdwallen mit Balkenbefestigung hatte verstärken lassen, eine Grenzburg errichten. Hier entsteht im 11. Jh. der Sitz des
Komitatsgespans, des Vertreters der königlichen Macht. Die Stadt soll ihren heutigen Namen nach dem ersten Gespan der Stadt, Suprun erhalten haben. Der Komitatsitz ist im Mittelalter eine florierende Stadt, den schriftlichen Quellen nach mit 12 Kirchen.
Zur Zeit der Arpadenkönige dringen mehrmals Truppen österreichischer Herzöge in das Gebiet des Komitates ein, Fritz von Babenberg zwang sogar den vor den Tataren fliehenden ungarischen König Béla IV, ihm Ödenburg, Lutzmannsburg und Wieselburg zu übergeben. Die Grenzburg wird von den Truppen Ottokar II. mehrmals eingenommen und verwüstet, als Absicherung ihrer Herrschaft werden Kinder der Soproner Patrizier als Geiseln mitgenommen.
Die Tore der Burg werden aber trotz allem dem ungarischen König Ladislaus IV. geöffnet, als Dank wird 1277 die Stadt vom König zur königlichen Freistadt erhoben, und die früher erhaltenen Privilegien bestätigt. Die Stadt erhält eine eigene Gerichtsbarkeit, wird vom königlichen Burggespan befreit und darf die Abgaben zur Verstärkung ihrer Stadtmauern verwenden. In den Jahren zwischen 1277-1360 entwickelt sich die Stadt zu einer
Handelsstadt, in der das Deutschtum allmählich die Mehrheit erlangt. Sopron/Ödenburg gehört zu einer der 7 königlichen Freistädte, es werden die Stadtkanzlei und das Stadtarchiv gegründet.
Elisabeth, die Witwe des Königs Adalbert flüchtet mit Kind (Ladislaus V.) und Hof nach Sopron, verpfändet die Stadt trotz Proteste des Bundes Königlicher Freistädte, an den deutschen König Friedrich III. Mátyás Hunyadi gelingt es, 1463 die Stadt zurückzukaufen und die verfallenen Burgmauern herzustellen. Einige Teile des Komitates kehren erst im 17. Jh. zum Komitat zurück: Fraknó/Forchtenstein 1622, Kismarton/Eisenstadt 1647.
Im Jahre 1524 meldet sich als Erste in Ungarn die Reformation, in der Stadt werden Bücher verbrannt, trotzdem folgt die Mehrheit der Bevölkerung den Lehren Luthers.
Die Türken verwüsten 1529 die Vorstadt von Ödenburg, von türkisch-tatarischen Truppen wird die Stadt im 16-17.Jh. wiederholt heimgesucht.
Ende des 17. Jhs., nachdem Ungarn von der Türkenherrschaft befreit worden war, führte einer der wichtigsten Handelswege des Landes durch die Stadt (Rinder- und Pferdehandel). Nach dem Freiheitskampf des Fürsten Rákóczi gehört Ödenburg zu den 10 größten Städten Ungarns. Sie hat eine Druckerei, Kanonen- und Glockengießerei, die Blaufärberwerkstätte erleben ihre Blütezeit. Zu erwähnen sind die berühmten Schulen und das bereits
bestehende Steintheater der Stadt. Im Jahre 1753 wird das erste Kohlenbergwerk eröffnet, in dem die erste dampfbetriebene Förderanlage in Ungarn ab 1775 in Betrieb genommen wird. Stephan Széchenyi, der seit 1835 Ehrenbürger der Stadt ist, gründet 1842 eine Sparkasse und errichtet eine Dampfmühle in der Stadt. Im alten Casinogebäude ist der Sitz des Musikvereins, in dem Franz Liszt das erste Konzert in seinem Leben gibt.
Im Jahre 1848 wird die Stadt von Truppen Windischgrätz’s besetzt, nach der Niederschlagung des Freiheitskampfes wird Ödenburg zum Verwaltungszentrum für den neu entstandenen west-transdanubischen Bezirk, von hier aus werden die Finanz-, Polizei- und Militärverwaltung der früheren 9 Komitate koordiniert. Bald wird das Gaswerk eröffnet, der Eisenbahnverkehr zwischen Ödenburg und Nagykanizsa aufgenommen, die Verkehrsverbindung
Budapest-Wien führt aber weit an der Stadt vorbei. Nach dem 1867 erfolgten Ausgleich kehrt man zum früheren Komitatssystem zurück, Sopron/Ödenburg wird wieder Komitatsitz.
Um die Jahrhundertwende erlebt die Stadt einen neueren Aufschwung der Wirtschaft in der Monarchie, der infolge des 1. Weltkrieges und des Ausrufes der sog. Räterepublik unterbrochen wird. Im Friedensvertrag von Saint-Germain von 1919 wird ein bedeutender Teil Westungarns Österreich zugesprochen. Bei der durch die Schlacht bei Ágfalva/Agendorf erzwungenen Volksabstimmung am 14. 12.1921 bleiben Sopron und Umgebung bei Ungarn.
Aus diesem Anlass wird der Stadt der Titel „Civitas fidelissima (die treueste Stadt)“ verliehen.
Vor dem Friedensvertrag von Trianon erstreckte sich das Komitat Sopron/ödenburg auf einer Fläche von 3127 km2 , grenzte im Westen an Niederösterreich, im Süden an die Komitate Vas/Eisen und Veszprém, im Osten an Komitat Gyõr/Raab, im Norden an Komitat Moson/Wiesel und Niederösterreich. Auf seinem Gebiet befindet sich im Westen das bewaldete Gebiet des Laitha-, Rosalien-, Soproner und Landsee/Lánzsérgebirges. Im Norden,
Nordosten erstrecken sich die Weinhügel an dem Neusiedlersee, im Osten die Kleine Ungarische Tiefebene, das Rabnitztal und Rábaköz. Das Gebiet durchqueren die Flüsse Leitha, Raab, Rabnitz, Stoob, Spitalbach und Wulka (Lajta, Rába, Répce, Csáva, Ikva, Vulka). Das Gebiet ist reich an Mineralwässer: Wolfs, Großhöflein, Leithaprodesdorf (schwefelhaltiges Wasser) und Deutschkreuz (Sauerwasser). Bodenschätze: die Braunkohle von
Brennberg, Lignin und Kalk von Neufeld a.d.L.
Nach dem Friedensvertrag von Trianon mussten 1340 km2 an Österreich abgetreten werden, das Komitat Sopron befand sich nun mehr auf 1989 km2. Die Bezirke Oberpullendorf, Eisenstadt, Mattersburg, sowie ein Teil des Soproner Bezirkes kommen zu Österreich. Von den 7 Stuhlbezirken bleiben nur vier, davon der Soproner nur zum Teil. Im Friedensvertrag von Trianon werden 102 Gemeinden und zwei Städte (Eisenstadt und Rust)
Österreich – mit insg. 120 471 Einwohnern -, zugesprochen.
Im Jahre 1920 beträgt die Einwohnerzahl des Komitates 259 242 (ohne Sopron). Die Verteilung der Bevölkerung nach Muttersprache: ungarisch (129 901, 50,1%), deutsch (95668, 36,9%), kroatisch (32 328, 12,5%). Das Komitat Sopron verliert die Hälfte seines Gebietes, die abgetrennten Gebiete werden ihrer „Hauptstadt“ beraubt.
Trotz des Aufschwunges der Textilindustrie und des Fremdenverkehrs in den Zwischenkriegsjahren ist am Leben der Grenzstadt nicht zu übersehen, dass sie ihr 1000-jähriges Wirtschaftspotenzial eingebüßt hat. Trotz allem ist die Landwirtschaft im Aufschwung: Getreide, Hackfrucht, Zuckerrübe, Raps, Lein, Hülsenfrucht prägen die Palette. Weiterhin bedeutend sind der Wein- und Obstbau, Schilfernte und Waldbau. Die Zahl
der Rinder im Komitat ist 1938 die höchste, bedeutend sind auch Pferde-, Schwein- und Schafbestand. Die Industrie besteht aus Zuckerfabriken, Schnapsbrennereien, Mattenflächten, Herstellung von Landwirtschaftsmaschinen, sowie das Hausgewerbe. Gehandelt wird mit lebendem Vieh, Getreide, Wein, Heu, und Obst. Wichtige Märkte werden in Sopron, Kapuvár und Csorna abgehalten. Das Komitat verfügt über das dichteste
Eisenbahn- und Straßennetz im Lande. Bildung und Unterreicht stehen auf hohem Niveau, hoch ist die Zahl der Schulen, Kindergärten und der Berufsschulen. Neben den konfessionellen Schulen hat die Stadt auch eine Bürgerschule, ein Mädchengymnasium, ein Gymnasium für Jungen und eine Pädagogische Lehranstalt. Nach Sopron wird die Fakultät f. Berg- und Waldbau aus Schemnitz verlegt, auch die Theologische Fakultät befindet sich hier.
Am 19. März 1944 wird auch Sopron von deutschen Truppen besetzt. Dreimal wird Sopron 1944/45 schwer bombardiert, die sowjetischen Truppen ziehen am 31. März 1945 in die Stadt ein. In den Jahren nach dem Krieg wird die Mehrheit der deutschsprachigen Bevölkerung vertrieben, die Stadt verliert 1950 den Rang eines Komitatsitzes. Ein Teil des Komitatsgebietes kommt zum Komitat Vas/Eisen, der Rest kommt zum neu errichteten Komitat
Gyõr-Sopron, in das auch das Komitat Wiesel/Moson integriert wird. Während des Sozialismus fällt der westlichst gelegene Zipfel Ungarns in die Grenzzone, in die der Eintritt einer Sondergenehmigung bedarf. Nach dem Weltkrieg werden die zerstörten Fabriken hergestellt, und neue gebaut. Schwerpunkt der Industrie ist neben Eisengießerei, Baubeschlägewerk und dem Zulieferer f. die Autoindustrie AFIT - die Textilindustrie.
An der Grenze des Soproner Bezirkes verläuft der Eiserne Vorhang, es wird in den Zügen, auf den Straßen von der Grenzpolizei strengst kontrolliert. Die Minen werden relativ früh entfernt, der „moderne“, auf Berührung ansprechende Zaun bleibt aber an der Grenze in Betrieb. Die im Krieg entstandenen Schäden an der Bausubstanz können erst nach Jahren behoben werden. In der Isolation der Stadt spielt aber die Kultur eine wichtige
Rolle. Nachdem vom Komitatssitz für neue Bauvorhaben nur wenig Geld zur Verfügung gestellt wird, muss die Stadt – zum Glück – ihre alten Häuser renovieren und bewohnbar machen. Hier wird als erstes im Land eine Kommission f. Denkmalschutz gegründet, parallel zu den Renovierungen laufen auch Freilegungen und archäologische, kunsthistorische Nachforschungen. Als Ergebnis dieser Tätigkeit erhält die Stadt 1975 den Europa-Preis f.
Denkmalschutz. Die Soproner Festwochen werden weit über die Grenzen hinaus, international bekannt.
Am 19.August 1989 kommt es in Sopronpuszta bei Sopron zum Paneuropäischen Picknick, der vielen Hunderten Ostdeutschen in die Freiheit nach Österreich verhalf.
Im Jahrzehnt nach der politischen Wende spielen die Gastarbeiter und der Handel (Einkaufstourismus) eine wichtige Rolle, der Name Shopping City Ost wird bekannt. Um die Jahrtausendwende verliert aber dieser auf den Einkaufstourismus ausgerichtete Zweig an Bedeutung.
Die Industrie, hauptsächlich die Textil- und Schwerindustrie verschwindet allmählich, an ihrer Stelle erscheinen Privatunternehmen, die aber der Warenmenge der Multis nicht Paroli bieten können. Die Industrie wird auch in den anderen ins Komitat integrierten Gebieten zugrunde gerichtet, die Bodenschätze gelangen in fremde Hände, die auf die Landwirtschaft aufgebaute Lebensmittelindustrie wird eliminiert, der Ackerbau unmöglich
gemacht. Der traditionelle Charakter des Handels in der Stadt verändert sich: am östlichen Tor zur Stadt begegnet man den Multis, ihren neu errichteten Einkaufszentren, die die Existenz der Ödenburger Kleinhändler und Kleinunternehmen gefährden. Eine eigene Energieproduktion haben wir nicht. Und dazu werden in unseren Tagen auch der Boden und die Wasserressourcen gefährdet.
Trotz allem: Ödenburg und Umgebung geben nicht auf! Wir wollen für den hochwertigen Tourismus, wozu die Kulissen die Stadt bietet, Gastronomie, Spitzensport, Festivals, Wein und Konferenzen optimale Voraussetzungen schaffen.